Ludwigs
Burg
Festival

Tor zum Paradies

Mahlers »Urlicht« bei den Schlossfestspielen

Im vielseitigen Programm der diesjährigen Schlossfestspiele findet sich ein bemerkenswerter Überschneidungspunkt: Gustav Mahlers »Urlicht« – dargeboten im Liederabend »Anna Lucia Richter« wie auch im Konzert »Liebes Traum Gestalten«. Voller Vorfreude auf das vorproduzierte Chorprojekt mit Yuval Weinberg und dem SWR Vokalensemble möchten wir zur Einstimmung das Lied genauer beleuchten.  

Unter all der schönen Musik, die Gustav Mahler komponiert hat, nimmt das »Urlicht« sicherlich noch einmal einen besonderen Platz ein. Prominent eingesetzt in seiner 2. Sinfonie, bricht Mahler mit diesem Lied nicht nur die traditionelle Viersätzigkeit auf, sondern konzipiert gleichzeitig ein ruhiges und schlichtes Gegengewicht zur gewaltigen Apotheose im Schlusssatz. Im »Urlicht« möchten wir dem düsteren Leben auf der Erde entkommen und träumen vom Paradies im Jenseits. An der Himmelspforte erscheint ein Engel, der den Zutritt verweigert. Doch trotz aller menschlichen Fehler muss auch das Engelchen einsehen, dass der Mensch ein Geschöpf Gottes bleibt: »Ich bin von Gott und will wieder zu Gott!«


Wie in vielen anderen Texten aus »Des Knaben Wunderhorn« kommt auch im »Urlicht« tiefe Ernsthaftigkeit in einer unschuldig-kindlich geschilderten Vision zum Vorschein. In der 2. Sinfonie ist dieses Lied formal durchaus ein Paradoxon im Werk und doch eine notwendige Ruhe vor dem Sturm, um den Auferstehungs- und Erlösungsgedanken – »Sterben werd’ ich, um zu leben!« – des triumphalen Finalchores vorzubereiten.


Dennoch ist das »Urlicht« als Solostück betrachtet viel mehr als ein singulärer Sinfoniesatz. In knapp fünf Minuten schafft Mahler einen musikalischen Spagat zwischen Todessehnsucht, Ziellosigkeit, Engelsstimmen und paradiesischen Utopien. Musikalisch öffnet sich unter den Klängen eines bildschönen Bläserchorales wahrhaftig die Himmelspforte: Eine schwebende Oboenmelodie ertönt und erreicht ihren Höhepunkt in einem simplen und dennoch ungemein wirkungsvollen Doppelschlag.


Im vielseitigen Programm der diesjährigen Schlossfestspiele bildet Mahlers »Urlicht« einen überraschenden Überschneidungspunkt zwischen zwei Konzerten. Kurioserweise wird das Stück in beiden Fällen jedoch nicht in seiner bekanntesten Form, als Orchesterlied, dargeboten. Stattdessen hörten wir es in Mahlers deutlich seltener aufgeführten Klavierfassung eindrucksvoll interpretiert von Anna Lucia Richter und Ammiel Bushakevitz und werden es nun noch in einem Chorarrangement von Clytus Gottwald vernehmen. Unter der Leitung von Yuval Weinberg eröffnet uns das SWR Vokalensemble, wie beeindruckend diese Musik tatsächlich ist: Kein Bläserchoral, keine Oboenmelodie, kein weicher Streicherteppich – nur die menschliche Stimme trägt a cappella die tiefgründige Botschaft des Textes vor. Aufgrund der Coronalage musste das Projekt »Liebes Traum Gestalten« im Forum am Schlosspark ohne Präsenzpublikum vorproduziert werden. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele laden herzlich ein, diese beiden erhebenden musikalischen Erfahrungen – das »Urlicht« in zwei viel zu selten gehörten Fassungen – auf unserer Digitalen Bühne umso mehr zu genießen.    

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