Grußworte des Intendanten Lucas Reuter
zur Festspielzeit 2026
zur Festspielzeit 2026
Liebes Festspiel-Publikum,
»Europa ist kein Gebiet, sondern kultureller Geist.«
Romain Rolland, der französische Literat mit dem feinen Gefühl für die Freiheit, weist uns mit diesem Gedanken den Weg in die Festspielzeit 2026, mit der wir erneut zeigen möchten, was Kunst im Herzen Europas vermag: verbinden, inspirieren, über Grenzen hinausweisen.
Seit der Gründung der Ludwigsburger Schlossfestspiele steht die FRage im Raum: Was sollen Festspiele sein? Uns die ist aktueller denn je. Festspiele sind mehr als eine Abfolge von Veranstaltungen; sie schaffen einen Raum, in dem Künstlerinnen, Künstler und Publikum einer gemeinsamen Sehnsucht nach Intensität und Erfahrung folgen können. Festspielzeit bedeutet immer auch Ausnahmezustand vom Alltäglichen: eine Zeit, in der Routinen verblassen, Horizonte aufbrechen und neue Erfahrungen im Kraftfeld des künstlerisch Besonderen möglich werden.
In dieser besonderen Atmosphäre entfaltet sich 2026 das Werk unseres Festspielkünstlers, des Malers Hann Trier, dessen gestische, farbintensive Bildsprache Tradition und Moderne miteinander verschränkt. Seine Malerei – rhythmisch, lichdurchpulst und von improvisatorischer Freiheit getragen – verbindet barocke Sinnlichkeit mit experimenteller Offenheit. Im kulturellen Aufbruch der Nachkriegszeit verstand Trier künstlerische Freiheit als zutiefst demokratischen Akt: als Absage an autoritäre Formen und als Bekenntnis zu individueller Verantwortung, Offenheit und pluralem Ausdruck. Triers Werke machen sichtbar, wie aus Spontaneität Form entsteht und wie Vergangenheit und Gegenwart in einem einzigen malerischen Gestus miteinander in Dialog treten.
Die Ludwigsburger Schlossfestspiele verstehen sich als Ort, an dem wir am kulturellen Haus Europa kontinuierlich weiterbauen. KIunst muss Brücken schlagen, wo politische Debatten stocken, an Grenzen stoßen. 2026 stehen vermehrt europäische Kooperationen im Zentrum der Festspiel-Programmatik, die den Austausch zwischen internationalen und baden-württembergischen Künstlerinnen und Künstlern stärken. In ihrem Zusammenwirken spiegelt sich ein Europa, das nicht durch Grenzen definiert wird, sondern durch gemeinsame Leidenschaft und geteilte Neugier.
Ein zentraler Baustein unserer Festspiel-Idee ist das Zusammenkommen junger Musikerinnen und Musiker aus aller Welt – Preisträgerinnen und Preisträger bedeutender internationaler Musikwettbewerbe wie des ARD-Musikwettbewerbs. Ihr Spiel trägt die Energie und Offenheit einer neuen Generation in sich – Stimmen, die die Zukunft des europäischen Musiklebens formen und ein Europa hörbar machen, das verbindet. Diese Energie entfaltet ihre volle Kraft im Festspiel-Finale mit dem European Union Youth Orchestra. Hier finden junge Musikerinnen und Musiker aus allen Teilen Europas in einem Klangkörper zusammen, der weit über nationale Herkunft hinausreicht und die Idee vom kulturellen Geist Europas als kraftvolle Botschaft lebendig werden lässt: »Ich glaube an Europa, an ein Europa, das noch zu erschaffen ist.«
Mit diesem Glaubensbekenntnis von Albert Camus freuen wir, das Team der Ludwigsburger Schlossfestspiele, uns auf einen inspirierenden Festspielsommer mit Ihnen, liebes Festspiel-Publikum.
Ihr Lucas Reuter