Vom 100. zum Bergfest
Ein flotter Ritt durch die vierte Festspiel-Woche
Ein flotter Ritt durch die vierte Festspiel-Woche
Halbzeit, Bergfest, you name it – plötzlich sind schon vier Wochen um! So viele Monate Planung und dann vergeht die Festspielzeit wie im Fluge. Dennoch kein Grund zu trauern, denn die Hälfte steht uns ja noch bevor, darunter unsere »Monrepos Open Airs«, die letzte Oper im Schlosstheater, und unsere kleinen aber feinen Konzerte in den Schlössern Monrepos und Favorite. Alles andere als klein und fein ging es an diesem vierten Festspiel-Wochenende zu! Weltstars inklusive Fanbase im ausverkauften Ordenssaal, eine Jubiläumsfeier inklusive Torte, die erste Auflage unserer Festspiel-Nächte und drei Tage Opern-Party im Schlosstheater mit Star-Sopran Maayan Licht.
Eigentlich sind wir alle im Team der Schlossfestspiele auch nur kleine Fan-Boys und Girls, die es manchmal gar nicht fassen können, wie nah wir den großen (Klassik-)Stars dieser Welt kommen. Umso schöner, wenn die Begegnungen mit eben jenen Künstler*innen nicht nur auf einer persönlichen Ebene angenehm sind, sondern uns ab und an auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Selbst die größten Pianist*innen unserer Zeit wie Hayato Sumino sind nur Menschen – denen eben ab und an auch etwas so Banales wie Socken abhandenkommen kann. Das hätte morgens auf dem Weg zum Büro nun auch niemand vermutet, dass man ein paar Stunden später im benachbarten Kaufhaus schwarze Socken für Hayato Sumino kaufen würde – definitiv ein made my day Moment!
Nicht nur Socken finden noch recht spontan ihren Weg auf die Bühne – es debütierten daneben noch zwei weitere Objekte aus dem privaten Haus-und-Hof-Fundus unseres Schlossfestspiel-Teams. Eine Gartenbank und ein Picknick-Korb fanden ganz unverhofft ihren Weg aus Büro und Garten zweier unserer Kolleginnen in die Inszenierung der »Didone abbandonata« von Nina Brazier.
Nicht, dass das Ensemble um Maayan Licht, Jone Martínez, Olivia Vermeulen, Calerio Contaldo, Leandro Marziotte und Suzanne Jerosme viele Requisiten benötigt hätten (auch wenn der Mantel von Maayan Licht einige Blicke auf sich zog). Allein ihre Stimmen und ihr Spiel waren so überwältigend, dass das bis auf den letzten Platz verkaufte Schlosstheater nicht mehr zu halten war. Eine ganze Woche probten das Freiburger Barockorchester um den musikalischen Leiter Francesco Corti und die Solist*innen in dem noch gut aufgeheizten Schlosstheater die Rückkehr eines Jommelli-Werkes an den Schaffensort des einstigen Hofkomponisten. Das schweißt nicht nur zusammen, sondern hat fast schon den Charakter einer Klassenfahrt, inklusive neu entdeckter Lieblings-Cafés und Backstage-Insta-Stories – live, während der Vorstellung, grandios!
Eine gute Zeit hatten nicht nur die Opern-Gänger*innen unter Ihnen, sondern auch alle Fans von Fado, Funk und Festspiel-Nächten! Zum ersten Mal haben wir dieses ganz besondere Format ausgerichtet – und wir sind jetzt schon hyped für das nächste Jahr!
Im Lichte der untergehenden Sonne füllt sich der Innenhof der Karlskaserne und das Setting war so vielversprechend wie sommerlich: Mit ofenfrischer Pizza, regionalem wie portugiesischem Wein und leckerem Eis vom rosaroten Eismobil der Konditorei Schurr lässt es sich angenehm unter der großen Platane verweilen. So unterschiedlich wie berückend sind schon die Openings: Indie-Pop, Jazz und Folk steht bei der koreanischen Singer-Songwriterin Youn Sun Nah am Donnerstag auf dem Programm. Die happy side des Fado (ja, auch die gibt es!) erklingt dagegen bei Carminho – es scheint fast surreal, dass sie, die noch bis vor kurzem mit der großartigen Rosalía in Lissabon auf der Bühne stand, nun hier im Innenhof der Karlskaseren performt und so einfühlsam, offen und nahbar ihre ganz eigene Fado-Geschichte erzählt.
Die letzten Zugaben klingen gerade noch über den Hof, bis sich zu den ersten Saxofon-Tönen die Köpfe drehen: Mannschaftsgebäude. Zwei Frauen in bunten Kleidern steigen elegant aus dem Fenster, es wird Zeit für die spektakuläre Show von Il Posto. Beinahe wie in Trance setzen die beiden Tänzerinnen zu ihrer spektakulären Performance in luftiger Höhe an, verweben sich mit den Videoprojektionen an der Fassade der Karlskaserne – staunende Blicke überall, und vielleicht auch der geheime Wunsch, sich selbst einmal im vertikalen Fassadentanz zu erproben.
Wem Fassadentanz zu risikoreich ist, kein Problem: Die niederländische Boy-Band Jungle by Night lädt nicht nur auf die Tanzfläche, sondern geradezu zur Frontrow-Party! Bunte Lichter, funkige Sounds, ein Drink in der Hand – wenn das nicht nach Sommerfeeling pur schreit! Weniger funkig aber kaum weniger rhythmisch bewegt sich am Freitag der Latin Grammy Gewinner Zé Ibarra auf der Bühne – und alle mit. Zwei wunderbare Abschluss-Acts für zwei fantastische Abende!
Sie sehen, die erste Halbzeit des Festspielsommers hat die Latte hochgelegt – und wir geben alles, damit die zweite noch besser wird!
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