»Don’t stop me now«
Wenn Koffer verloren gehen und Kostüme und Karossen Party machen
Wenn Koffer verloren gehen und Kostüme und Karossen Party machen
Das zweite Festspiel-Wochenende stand ganz im Zeichen von verlorenen Koffern, Hunderten von Kostümen im Backstagebereich und einer Wäscheleine im Schlosstheater.
Obwohl sie sich Spontaneität auf die Fahne schreiben, haben die Philharmonix wohl nicht damit gerechnet, dass sie aufgrund eines gesperrten Luftraums und fünf verlorengegangener Koffer erst 20 Minuten vor Konzertbeginn auf der Forums-Bühne stehen. Kleidertauschbörse statt Anspielprobe erlebt man auch als erfahrene*r Konzert-Künstler*in nicht alle Tage. Aber die Turnschuhe ganz unterschiedlicher Couleur, T-Shirts und Freizeithosen machten das 7-köpfige Ensemble noch sympathischer, als es ohnehin schon ist, und taten ihrer wunderbaren Performance auch keinen Abbruch. »Hey – Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt«, heißt es in dem beliebten Kinderlied und nach diesem Credo stellte der »Vienna Berlin Music Club« dann auch sein Programm zusammen. Da wurden bei heißesten Temperaturen schon mal Weihnachtslieder zum Besten gegeben und – passenderweise – die Philharmonix-Version von Queen’s »Don’t stop me now«.
Wären die Tänzer*innen von »Afanador« nicht schon am Tag zuvor zurück nach Spanien aufgebrochen, hätten sich die Philharmonix sicherlich auch am üppigen Kostümfundus des Ballet Nacional de España bedienen können. Die allseits bestens informierten Newsletter-Leser*innen unter Ihnen haben sicherlich schon mitbekommen, dass die 36-köpfige Kompanie mit hunderten so opulenten wie extravaganten, in jedem Fall durch und durch schwarzen Kostümen anreiste. Die Herausforderung dabei bestand nicht nur in der Lagerung – im Backstagebereich des Forums sah man den Flur vor lauter Kleiderständern nicht mehr –, sondern auch in der Aufbereitung (prüfen, ausbessern, steamen) und der Zuordnung zu den Tänzer*innen. Helfer*innen u.a. vom Forum und vom Schlossfestspiel-Team waren damit einige Zeit gut beschäftigt. Aber es hat sich allemal gelohnt: Die Vorstellung von »Afanador« hat das Festspiel-Publikum nachhaltig begeistert. Flamenco und Fotografie wurden auf so akzentreiche wie symbiotische Weise miteinander verflochten, der Tanz glich einem Spiel mit vielfältigen Silhouetten, (Halb-)Transparenten, Licht und Schatten – orgiastisch, assoziativ, berückend! Einer der vielen Besucher*innen war niemand Geringeres als der spanische Generalkonsul Ricardo Mor Solá, der dem Ensemble direkt nach Vorstellungsende noch einen Besuch auf der Bühne abstattete und nur Worte der Begeisterung fand. An diesen Abend werden wir noch lange zurückdenken.
Kostüme standen auch bei unserer zweiten Opernproduktion im Schlosstheater hoch im Kurs – oder besser gesagt: die hohe Kunst des Verkleidens! Wahlweise Apothekergehilfe, Notar oder ein Gesandter des türkischen Königs – die Vierecksgeschichte »Lo Speziale« um die schöne Grilletta sowie ihre drei Verehrer Sempronio, Volpino und Mengone nahm gerade wegen des gewieften Verwandlungsgeschicks an Fahrt auf. Dabei sind die Darsteller*innen nicht die einzigen, die durch Kostümwechsel brillieren; auch der heimliche Star der Oper, der Fiat500, überzeugte mit seinem Transformationstalent. Wer hätte vermutet, dass sich in dem kleinen Auto Platz für einen Kräutergarten, eine Apotheke und sogar eine Badewanne finden lassen? Waschmaschine und Wäscheleine haben dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Ein gelungen gewitzter Spaß, der das Publikum im gut gefüllten Schlosstheater bestens unterhielt!
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