Milestone Monrepos
Von Picknicken, Naturgewalten und Probeschüssen
Von Picknicken, Naturgewalten und Probeschüssen
Es ist eines der Wörter, denen man hier ab Beginn einer Festspielzeit nicht mehr entkommt: MOA, MOA, MOA. Die Trias ist durchaus intendiert, denn zum ersten Mal in der Festspiel-Geschichte fand das Monrepos Open Air (dafür steht das Akronym natürlich) nicht nur an einem, sondern gleich an drei Abenden statt. Einfach mehr Open-Air.
»Einfach mehr« scheint auch eine wunderbare Beschreibung für diese vergangene Festspiel-Woche zu sein. Ob draußen, drinnen, auf Picknick-Decken oder Schauspiel-Bühnen – es war einiges geboten!
Monatelang hatte unser Team und federführend unsere KPP-Projektverantwortliche Charly Freitag auf diesen Moment hingearbeitet, jetzt war es endlich so weit: Vorhang auf für die Monrepos Open Airs! Seit Dienstag war unser Team fleißig auf dem Gelände der Domäne Monrepos unterwegs, hat Stühle geschleppt, die berühmte Rundbogen-Bühne errichtet, das Gelände verkabelt und Künstler*innengarderoben eingerichtet – was soll man sagen: Es hat sich gelohnt! Wenngleich die Dimensionen doch andere waren als in den Vorjahren – sobald die untergehende Sonne gemeinsam mit den Lichterketten das romantische Seeschlösschen in atmosphärisches Dunkel hüllte, war das einzigartige Ambiente sofort wieder spürbar.
Ein Meer von Picknick-Decken bevölkerte die Festinwiese, an den buchbaren Tischen wurde ordentlich aufgetischt – Vasen, Kerzenständer und Selbstgebackenes inklusive – und die Fotobox unseres Sponsors, der Kreissparkasse Ludwigsburg, war im Dauerbetrieb, herrlich! Was gibt es Schöneres, als an einem lauen Sommerabend in den Himmel zu blicken, talentierten Musiker*innen zu lauschen, nur unterbrochen vom Zirpen der Grillen und dem Gezwitscher vorbeifliegender Vögel (Nachtreiher bist du‘s?) – Zeugnisse des einzigartigen Natur-Settings, die sich besonders in Beethovens »Pastorale« am dritten Abend auch musikalisch wiederfinden ließen.
Die »Natur komponiert mit«, so beschreibt es Harry Schmidt in seiner Kritik, und das trifft nicht nur auf die Spielstätte oder das Programm zu (der Dirigent des zweiten und dritten Abends, Jan Caeyers, betitelt Beethoven gar als den »ersten großen Ökologen«). Zur Wahrheit gehört auch, dass die Natur mit Blick auf das Wetter beim Monrepos Open Air I ihre Finger im Spiel hatte. Beim Blick über das von Regenschirmen, -capes und -jacken gezeichnete Publikum hatte man eher den Eindruck, auf dem Hurricane-Festival zu sein – vielleicht sogar Wacken. Sie können sicher sein, dass unser Team, wie auch die Musiker*innen der Württembergischen Philharmonie Reutlingen der Verlauf des Abends, der im Abbruch nach der Pause endete, sehr schmerzte. Wir hätten es uns anders gewünscht. Immerhin konnten wir mit Ihnen zusammen bei den Monrepos Open Airs II und III gebührend feiern – so schön, atmosphärisch und harmonisch, wie es sein soll!
Nicht nur unsere Monrepos Open Airs kann man an der frischen Luft genießen, auch unsere »Musik im Park« ging in ihre zweite Runde. Mit dabei: das Posaunenquartett Ars Trombonica – und die Gewinner*innen unseres Valentinstag-Gewinnspiels! Ein frisch-verliebtes und ein länger-verliebtes Pärchen konnten uns im Februar mit einem Bild in unserem Festspiel-Strandkorb LUDI überzeugen und wurden zur »Musik im Park II« mit einem Picknick überrascht. Das fanden nicht nur unsere Gewinner*innen gut – auch die tierischen Bewohner*innen des Favoriteparks waren ganz angetan, von Musik und Picknick gleichermaßen. Wie schön, dass unsere Konzerte Natur und Kunst so nah zueinander bringen – und das für eine beachtliche Menge Menschen! Um die 350 Zuhörer*innen durften wir zu unserer Park-Musik II begrüßen. Das ist der Festspiel-Spirit!
Der Festspiel-Spirit war auch in unseren tatsächlich letzten Konzerten im Ordenssaal spürbar. Über Wochen hatten wir uns so sehr an »unser« Schloss und die wunderbaren Spielstätten darin gewöhnt. Allein der Abschied vom Schlosstheater eine Woche zuvor war schwer; jetzt die letzten Veranstaltungen im Ordenssaal auszurichten, hatte etwas Absolutes, dass auch das Team ganz melancholisch werden ließ. Dabei waren die letzten Konzerte in diesem wunderschönen Saal wirklich berückend – sowohl Lisa Batiashvili mit Nino Gvetadze und dem Schumann Quartett, als auch Ragnhild Hemsing und Jonas Palm, beide mit dem Württembergischen Kammerorchester, zeigten noch einmal eindrücklich unsere kammermusikalische Bandbreite bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.
Bei allen Gefühlen des Abschieds darf man aber auch die ersten Male nicht vergessen. Und eine solche Novität hatten wir definitiv mit dem »Freischütz« in petto! Unter der Regie von ADK-Absolvent Max Porstmann kommen Beteiligte von gleich vier Hochschulen zusammen für eine Neu-Interpretation des Weber-Klassikers »Der Freischütz«. Die jeweiligen Maxe kann man dabei schon einmal verwechseln, der Bezug des Regisseur-Max‘ zum Werk aber ist ein sehr ernsthaft-persönlicher: In seiner Inszenierung nimmt Max Porstmann die Ursprünge von Gewalt und deren Fortsetzung über Generationen hinweg in den Blick, umkreist das zentrale Sujet des Probeschusses und setzt sich mit seiner eigenen Angst vor dem Schießen auseinander. Ein »Freischütz«, der dem Dirigent Alexander Schmid zufolge zeitgenössischer und klassischer nicht sein kann. Wer es bisher nicht geschafft hat, dem sei ein Besuch am FR 24. oder SA 25. Juli sehr ans Herz gelegt!
Wir sind gespannt auf die kommenden beiden Wochen, die sich schon ein bisschen nach Finale anfühlen.
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