Euphorie, Aufruhr, Begeisterung
Das war unser Eröffnungswochenende!
Das war unser Eröffnungswochenende!
Was für ein Auftakt der Ludwigsburger Schlossfestspiele am Eröffnungs-Wochenende! Drei Tage mit drei ausverkauften Vorstellungen, zwei bravourösen »Ersatz«-Musiker*innen und einem besonderen Helden: einer Lesebrille.
Noch vor dem offiziellen Eröffnungs-Konzert brillierte der Jungpianist Vsevolod Zavidov beim ersten Konzert der Festspielzeit im Ordenssaal. Und nicht nur für das Publikum, sondern gleichermaßen für das gesamte Team der Schlossfestspiele ist es ein wunderbares Erlebnis, wieder Musik durch das altehrwürdige Gemäuer des Schlosses Ludwigsburg klingen zu hören. In der ebenso packenden wie virtuosen Darbietung Zavidovs war dies das reinste Vergnügen, die zurecht mit zwei Zugaben gekrönt wurde.
Eine Hiobsbotschaft drohte dieser aufgeflammten Euphorie am Samstag einen Dämpfer zu versetzen: Marc Minkowksi, der Dirigent des Abends, kann den »Orlando« aufgrund von Krankheit nicht dirigieren. Die emotionale Achterbahn, die Händels Oper ohnehin schon verspricht, wurde zumindest für unser KPP beinahe schon zu real. Doch Rettung nahte: Clément Pottier übernahm kurzerhand die musikalische Leitung. Heraus kam ein vollauf begeistertes Publikum, das dem Alte Musik-Ensemble Les Musiciens du Louvre und den Solist*innen Aude Extrémo, Ana Maria Labin, Jake Ingbar, Trevor Eliot Boews und Alicia Amo mit stehenden Ovationen Tribut zollte.
Besonders der »Klangfarben-Zauberkasten des Ensembles Les Musiciens du Louvre« (StZ) und die »reich virtuosen Höhenflüge und Koloraturen« (theaterkompass.de) der Sänger*innen begeistern auch die Presse. Ein wunderbarer Beginn für die Opern im barocken Schlosstheater!
Aller guten Dinge sind – zwei? Die leichte Abwandlung der Redensart zeugt mit Blick auf unser Eröffnungs-Wochenende von Freud wie Leid, erneut musste kurzfristig Ersatz beschafft werden, diesmal für den erkrankten Luca Salsi, der die Titelpartie des »Nabucco« hätte singen sollen. Und genau hier kommt die freudige Seite zum Tragen, denn neben Luca Salsi gibt es genau einen anderen Bariton, der dieser schwierigen Rolle gewachsen ist, und obschon er noch am Vorabend in der Pariser Oper »La Traviata« sang, reiste er kurzerhand an, um die Vorstellung zu retten: Ludovic Tézier!
»Viva Nabucco« – der Opernchor und das Orchester des Nationaltheaters Mannheim, Dirigent Roberto Rizzi Brignoli und die Solist*innen Csilla Boross, Sung Min Song, Sung Ha, Renatus Meszar, Julia Faylenbogen, Zinzi Frohwein, Dominic Lee und Ludovic Tézier begeisterten das bis auf den letzten Platz gefüllte Forum. Eine mehr als würdige Vorstellung von Verdis dramatischem Meisterwerk – das ließ sich selbst Ministerpräsident Cem Özdemir nicht nehmen: »Ich habe es heute nicht bereut, das Nationalmannschaftsspiel nicht anzuschauen.«
Wie so oft sind es aber die kleinen Dinge, die die größte Wirkung erzielen, um eine weitere Redewendung zu bedienen. Denn alle Opulenz und Ausdrucksstärke dieser Festspiel-Eröffnung wäre nicht möglich gewesen, ohne die Lesebrille eines Team-Mitglieds der Schlossfestspiele. So hatte Ludovic Tézier allzeit freie Sicht auf seine Noten, die er sicherheitshalber auf der Bühne dabeihatte.
Ganz herzlichen Dank an alle, die mit uns dieses Eröffnungs-Wochenende gefeiert haben! Auf viele weitere wunderbare Momente in der Festspielzeit.
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