Die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und gesellschaftlicher Verbundenheit, der Brad Hwang während seiner Residenz im letzten Jahr mit der Konstruktion einer Umarmungsmaschine und eines mobilen Webstuhls Gestalt verlieh, führt er nun mit einem neuen Projekt weiter: Inspiriert von gemeinschaftlichen Öfen des Mittelalters hat der Künstler einen mobilen Brot-Ofen entwickelt. Ihn beschäftigt die Unabdingbarkeit des konstanten Wandels, die allem und allen Lebenden innewohnt. Die Nahrung, die man zu sich nimmt, unterliegt einer ständigen Umwandlung. Es wird gesät, geerntet, verarbeitet, gegessen – Energie entsteht und vergeht. Auch die Menschen unterliegen dieser ständigen Wandlung, der nicht einmal der Tod ein Ende setzt. Wird gekocht, dann wird auch diese Unvermeidlichkeit gefeiert. Dieser Feststellung möchte er mit einem selbst gebauten Brot-Ofen ein Momentum entgegensetzen. Seine Absicht: bewusst an dem Prozess teilzunehmen, den man ehrt und bewundert.
Mit seinem selbst gebauten portablen Brot-Ofen ist Brad Hwang im Juni im Kunstzentrum Karlskaserne und auf dem Ludwigsburger Marktplatz vor Ort und lädt zum Austausch ein. Im Zentrum des Projekts steht der Sauerteig: Bakterienkulturen, so einzigartig wie ein Fingerabdruck, machen jedes Brot besonders. Durch äußere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Wärme, Mehlsorten sowie Mutationen der Bakterien wird jeder Sauerteig anders. Als Gemeinschaftsprojekt rückt Brad Hwang während seiner Residenz bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen die virale Verbreitung von positiven Dingen in den Vordergrund. Jeder Mensch hat mit seinem Handeln Auswirkungen – der Austausch von Sauerteig steht beispielhaft für ein positives Anstecken im Miteinander.